Donnerstag, 15. Juni 2017

James Bowen - „Bob, der Streuner“

ISBN: 9-783-404-60934-5

Ich hatte schon so viel von diesem Buch gehört. Und alle haben es in den höchsten Tönen gelobt. Es müsse wohl unbedingt gelesen werden und und und.
Um ehrlich zu sein, bin ich mit gemischten Gefühlen an die Lektüre heran. Ich hatte schon immer irgendwie eine Abneigung gegenüber Büchern, die so extrem gelobt werden. Und doch habe ich es mir zur Brust genommen. - Was sollten der Geiz? Es kostete mich quasi nichts, da es aus der Bibliothek war und wenn es um Tiere geht, konnte das zumindest lustig werden...

Im Grunde geht es hier um zwei gescheiterte Existenzen. Der eine, ein junger Mann, ist durch Gleichgültigkeit und eine Drogenkarriere im Prinzip selber dran schuld und der andere, ein streunender Kater, ist eben als Streuner unterwegs.
Bob, die rote Katze, sucht sich den jungen Mann quasi als Retter in der Not aus. Er schleicht sich quasi in sein Herz.
Der junge Mann hat gerade eine Drogenkarriere hinter sich und kämpft sich mit einem Metadon-Programm zurück in ein geregeltes Leben. Ihm kann nichts besseres passieren, als dieser Kater, der seine Hilfe braucht und ihm dafür Liebe und Dankbarkeit schenkt.
Die Tatsache dass er, zum ersten Mal in seinem Leben, nicht mehr nur für sich selber verantwortlich ist, hilft ihm sehr, bei dem Kampf gegen Sucht und Drogensumpf.

Das Buch war nicht nur lustig, es beinhaltete irgendwie sämtliche Paletten der menschlichen Gefühkswelt. Von verzweifelter Ausweglosigkeit bis hin zur puren Freude war alles vorhanden. Ich habe beim Lesen nicht selten aufgelacht, weil es gerade eine lustige Anekdote gab. Aber auch zum Heulen war mir. Nämlich genau dann, wenn James gerade die totale Panik oder eben Angst um Bob hatte.
Auf jeden Fall hat mir die Lektüre geholfen, mich in einen Drogensüchtigen hinein zu versetzen, der erst alles quasi mit Absicht verloren hat, weil er den Abgrund nicht gesehen hat, in den er sich hinein manövriert. Und dann wird er war und will sich aus da wieder raus kämpfen. Das ist nicht einfach und James hat mit Bob einfach nur ein unheimliches Glück gehabt, meiner Meinung nach.
Ich will bei diesem Buch nicht von einem leichten Stoff reden. Das wäre falsch. Hier muss man wirklich differenzieren, dass sich um einen ein an sich ziemlich harter Stoff, nämlich dem puren Leben, handelt. Es ist zwar ein harter Stoff, den man da liest, aber man liest ihn leicht und schnell. Alles ist leicht verständlich und auch die Fachbegriffe, die verwendet werden, sind sehr gering gestreut und zum großen Teil auch noch allgemein bekannt. Hier meine ich zum Beispiel "Metadon". - Wenn ich nicht gerade durch aktuelle Geschehnisse im realen Leben so abgelenkt gewesen wäre, hätte ich das Buch mit Sicherheit noch wesentlich schneller durch gehabt.
Ich habe das Buch auf jeden Fall gern gelesen und bereue die Lektüre so gar nicht!
Am Ende das Buch sind noch ein paar Fotos aus den verschiedenen Phasen des Lebens von Bob und James abgedruckt. Aus der Zeit als Straßenmusiker, aus der Zeit als Zeitungsverkäufer und auch Bilder vom Filmdreh. Die fand ich ja mal besonders spannend. Und wenn es irgendwie möglich ist, werde ich mir den Film auf jeden Fall mal noch antun.

Das Buch bekommt von mir auf jeden Fall die vollen 5 von 5 möglichen Sternen. Es hat Spaß gemacht und war mir eine Freude. Der James könnte durchaus noch mehr Bücher dieser Sorte schreiben. Sein Leben mit Bob geht ja schließlich auch nach dem Buch weiter. Mich würde wirklich interessieren, ob er vielleicht doch noch zu einer Ausbildung kommt, oder wie weit er es als Zeitungsverkäufer bringt....
Für alle die es interessiert, gibt es auf meiner Website wieder eine Leseprobe.

Wir lesen uns!

(Auszüge des Textes sind auf meiner Website und auch auf Lovelybooks von "TanteGhost" zu finden.)